Wasser und die Kohlensäure
Kohlensäure ist sauerstoffhaltige
Kohlenstoffsäure: H2CO3. Sie ist das Reaktionsprodukt aus ihrem
Anhydrid Kohlendioxid (CO2) und Wasser. Eine wässrige Lösung
des in Wasser im Vergleich zu O2 und N2 gut löslichen CO2 (etwa
3000 mg/l bei einem CO2-Partialdruck von 1 bar) reagiert zu
einem geringen Anteil (etwa 0,2 %, je nach Temperatur) nach
zur Gleichung zu Kohlensäure:
Auch CO2 als Gas wird umgangssprachlich oft als Kohlensäure
bezeichnet. Das gelöste CO2 zusammen mit dem eigentlichen H2CO3
in der Wasserchemie üblicherweise als freie Kohlensäure zusammengefasst
und die Dissoziationskonstante für diese Summe angegeben.
Die Salze der Kohlensäure heißen Carbonate oder Hydrogencarbonate.
Wichtige Vertreter sind Natriumhydrogencarbonat (Trivialname:
Natron, Bullrich-Salz, NaHCO3), Natriumcarbonat (Soda, Na2CO3),
Kaliumcarbonat (Pottasche, K2CO3) und Kalk (Calciumcarbonat
CaCO3). Gebrannter Kalk (CaO) und gelöschter Kalk (Ca(OH)2)
sind jedoch keine Carbonate.
Im Labor ist es gelungen, Kohlensäure als Reinsubstanz zu gewinnen.
Bei tiefen Temperaturen und unter absoluter Abwesenheit von
Wasser oder Metallionen (beide katalysieren stark die Zersetzungsreaktion
zu Kohlenstoffdioxid und Wasser), kann die Kohlenstoffsäure
H2CO3 als wasserklare, farblose Flüssigkeit dargestellt werden.
Kohlensäure wird für unzählige Produktionsprozesse weltweit
eingesetzt. Dem Endverbraucher dürfte die Kohlensäure wohl am
ehesten aus Erfrischungsgetränken bekannt sein. Johann Jacob
Schweppe entwickelte im späten 18. Jahrhundert ein Verfahren,
mit dem Wasser sich mit Kohlensäure versetzen lässt. Desweiteren
ist die Kohlensäure ein wichtiger Bestandteil der sterilen Verpackungstechnik.
Da die Diffusionsgeschwindigkeit der Kohlensäure größer als
die von Stickstoff bzw. Luft ist, führt diese Eigenschaft bei
Weichverpackungen dazu, daß Kohlensäure aus der Verpackung entweicht
und die Folie eng an das Verpackungsgut gepreßt wird (Vakuumeffekt).
„Freie Kohlensäure“, also die Summe von Kohlensäure und Kohlendioxid,
ist in Gewässern eine wesentliche Voraussetzung für die Photosynthese
der Algen und submersen Wasserpflanzen. Ihre Verfügbarkeit entscheidet
über die Fruchtbarkeit von Karpfenteichen. Sobald dort die Konzentration
an CO2/H2CO3 zu gering wird, kann von spezialisierten Algen
und Pflanzen auch die erste Dissoziationsstufe der Säure, das
Hydrogencarbonat, verwertet werden.